Die wahre Geschichte der E-Zigarette

Die wahre Geschichte der E-Zigarette
18. Mai 2022 6 min zum lesen

Die wahre Geschichte der E-Zigarette

Die Geschichte der E-Zigarette

Wie alt ist die Idee hinter der E-Zigarette wirklich und wessen Idee war es?

Die meisten Vaper werden auf diese Frage wohl antworten, dass es der Chinese Hon Lik 2002 war, der diese bahnbrechende Erfindung lieferte.

Ganz falsch ist das zwar nicht, doch die Geschichte bringt uns noch viel weiter in die Vergangenheit. VIEL weiter.

Das erste Aufkommen der Idee – 1958

Das erste Mal wurde der Gedanke einer Zigarette, welche weniger Teer und Nikotin ausstösst, bereits 1958 geäussert. Und zwar von einer Führungskraft der Firma Philip Morris – dem auch heute noch führenden Hersteller von Tabakprodukten:

„I’ll bet that the first company to produce a cigarette claiming a substantial reduction in tars and nicotine . . .will take the market.“

Diese Aussage hatte jedoch noch nichts mit der E-Zigarette zu tun – könnte aber zur eigentlichen Idee geführt haben

Das erste Patent – 1963

Das erste Patent der „smokeless non-tobacco cigarette“ – also einer rauch- und tabakfreien Zigarette wurde im Jahre 1963 durch Herbert A. Gilbert eingereicht.

Er selbst war damals starker Raucher, wie eine Vielzahl der Menschen zu der Zeit – angetrieben durch unermüdliche Marketing-Kampagnen der Tabakindustrie.

Die Idee entstand, nachdem er aus dem Korea-Krieg zurück nach Hause gekommen war. Nach Hause, zum Schrottplatz, welcher seinem Vater gehörte. Er beschreibt sich selbst als einfachen, logischen Menschen und es war auch die Logik, welche seine Idee geboren hat.

Ihm war klar, dass das Rauchen viele Gefahren barg und noch immer birgt. Er verglich es in einem Interview mit James Dunworth sinngemäss übersetzt wie folgt:

Wenn man Salatblätter kaut, ist es gut für dich, auch Zimt ist eine Baumrinde und nicht schlecht für einen. Wenn du es aber trocknest und mahlst, in eine Papiertüte steckst und anzündest, ist das sicher nichts, was du in der Lunge willst. Der simple Schluss daraus war, dass das Hauptproblem die Verbrennung ist.

Es muss also eine Möglichkeit gefunden werden, „das Feuer zu löschen“ – aber Moment! In der Bäckerei seiner Tante wurde der Ofen auch mit Feuer beheizt und niemand hat Panik bekommen, oder ist gar auf allen Vieren heraus gekrabbelt – das Aroma war zudem eine wahre Freude! An dem Punkt kommt der Gedanke, wie Tee gemacht wird, in den Sinn – und das war die Lösung für das Problem. Es musste also eine Möglichkeit gefunden werden, den brennenden Tabak und das Papier durch erhitzte, feuchte, aromatisierte Luft zu ersetzen.

Der erste Prototyp

Mit der 1963 zur Verfügung stehenden Technologie baute Gilbert auch sogleich. Es handelte sich hierbei um eine batteriebetriebene Hitzequelle, welche Wasser und Aroma erhitzen konnte und es möglich gemacht hat, dies einzuatmen – und es funktionierte.

Der Grundgedanke dahinter war jedoch von vollständig nikotinfrei.

Aufgrund eines Warenhausbrandes hat jedoch kein damaliger Prototyp überlebt.

Die Funktionsweise der damaligen rauch- und tabakfreien Zigarette unterscheidet sich im Prinzip nicht zu den heutigen E-Zigaretten. Einzig die Anordnung der einzelnen Bauteile, die Grösse und Form machen die ehesten Unterschiede aus.

Die Unterdrückung einer Idee – warum ging das Gerät nicht in Produktion?

Für eine grosse Produktion benötigt man zunächst selbstverständlich einen Produzenten. Doch wer produzierte solcherlei Produkte in den 60ern, bzw. wer wäre dafür infrage gekommen?

Gilbert stelle sein Patent Chemie-, Pharma- und Tabakproduzenten vor. Doch er war seiner Zeit voraus. Diese Firmen sahen es eher als sinnvoll, Gilberts Patent auslaufen zu lassen, um Ihre eigenen Versionen zu kreieren.

Zudem hat die Tabakindustrie die ganze Idee „unter den Teppich“ kehren wollen, da die Aufnahme einer „gesünderen Alternative“ implizieren würde, dass Zigaretten ungesund sind. Und dieser Fakt wurde damals noch schwer abgestritten.

Im Prinzip war dies bereits das Ende des damaligen Startversuches – leider. Doch an dieser Stelle sind wir noch nicht fertig mit unserer Erzählung, sondern schauen etwa 40 Jahre weiter – 2002.

Ein chinesischer Apotheker bringt der Welt eine Neuheit

Zugegeben – nach all dem, was bisher in diesem Artikel zu lesen war, ist das Wort „Neuheit“ im Titel sicher etwas weit hergeholt. Dennoch: Neu am jetzigen Teil der Geschichte ist, dass es nicht einfach zu Ende geht, sondern bis heute anhält. Es ist auch gewiss noch kein Ende in Sicht.

Hon Lik, ein chinesischer Apotheker, geboren im Jahre 1956, war ein starker Raucher – so wie ein Grossteil der chinesischen Bevölkerung.

Eines Tages ereilte ihn, bzw. seine Familie ein schwerer Schlag – ein Schicksal, welches sicher die meisten Raucher fürchten. Sein Vater wurde mit Lungenkrebs diagnostiziert.

Als Apotheker und Wissenschaftler realisierte er schnell, dass Menschen wegen des Nikotins rauchen – aber wegen des Teers sterben. An diesem Punkt rechnete er wohl nicht damit, dass er am Rande eines durchaus weltverändernden Durchbruchs steht.

So hat er beschlossen, eine Alternative zu finden und hat zum Beispiel Nikotinpflaster getestet.

Er beschreibt, dass die eigentliche Idee für die E-Zigarette in einem Nikotin-induzierten Traum kam. Wie so viele andere, ist er mit einem Nikotinpflaster am Arm eingeschlafen, was durchaus bekanntermassen zu sehr aktiven Träumen führen kann.

In seinem Traum war er am Ertrinken, in einem tiefen Meer. Plötzlich verdampfte das Wasser um ihn herum vollständig. Er fand sich selbst in einer hellen, bunten Wolke aus Nebel wieder.

Ob dies nun wahr oder erdacht ist, sei erstmal dahingestellt – aber schön klingt es erstmal.

Er realisierte, dass das Verdampfen der Hauptpunkt ist, wie man die Nikotinaufnahme befriedigender gestalten kann, als zum Beispiel mit Nikotinpflastern, oder gar Injektionen.

Sein erster Prototyp beruhte auf Ultraschall-Technologie, wich jedoch bald der klassischen Heizspule, wie sie auch heute weitestgehend im Einsatz ist.

Er gründete die Firma „Ruyan“ („wie rauchen“), patentierte die Idee und brachte seine Errungenschaft auf den Weltmarkt. Zu dem Zeitpunkt stand dem weltweiten Durchbruch kaum mehr etwas im Wege.

Fun Fact: Hon Lik hat das Rauchen nie aufgegeben. Er nutzt sowohl Zigaretten, als auch E-Zigaretten bis heute kombiniert.

Noch immer Gegenwind zur E-Zigarette?

Die Frage ist simpel – steht noch immer jemand der E-Zigaretten-Industrie im Wege?

Die Antwort ist nicht weniger simpel – ja, leider.

Den E-Zigaretten steuert noch immer hauptsächlich die Tabakindustrie entgegen – besonders auf politischer Ebene, wie zum Beispiel mit dem Druck, die Tabak-Steuer auch auf E-Liquids auszuweiten. Bedauerlicherweise scheinen sie damit aktuell auch ausgesprochen erfolgreich zu sein. Doch wir Dampfer geben die Hoffnung nicht auf, dass die weniger ungesunde Alternative sich über der klassischen Tabakverbrennung erhebt und sich letztlich durchsetzt.

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